Die Odyssee – Vier Monate Arbeit, 70 Minuten Gänsehaut, Effekte fürs Leben

Mit einer bewegenden Aufführung im Festspielhaus Baden-Baden ging der dritte Teil des dreijährigen Projekts „Musiktheater in der Grundschule und im Opernhaus“ zu Ende.

Kinder können keine Oper? Von wegen. 120 Grundschüler räumten im dritten Jahr in Folge im Festspielhaus Baden-Baden mit diesem Mythos gründlich auf. Innerhalb von vier Monaten hatten Sie im Unterricht und schließlich im Rahmen einer Probenwoche in Deutschlands größtem Opernhaus eine Oper zur „Odyssee“ nach Homer entwickelt, einstudiert und uraufgeführt.

Erwachsene Opernsänger, Instrumentalisten und ein großes Team von Theaterpädagogen und Studierenden unter der Leitung der Heidelberger Künstlerin und Pädagogin Nelly Noack ließen sich auf das große Experiment ein, die kreativen Impulse der Kinder zu Handlung, Liedtexten, Melodien und Bühnenbild in eine Aufführungsform zu bringen. Das Steuer aber hatten die Steppkes in der Hand, nicht die Erwachsenen.

Damit ging ein dreijähriges Projekt der felicitas und werner egerland stiftung und des Festspielhauses Baden-Baden zu Ende. Im gut besuchten Festspielhaus führten die Kinder mit den Profis ihre „Odyssee“-Geschichte mit großer Überzeugungskraft auf. Schließlich standen sie durch die intensive Beschäftigung mit der Geschichte und ihren Figuren „über“ dem Bühnengeschehen und konnten sich daher in jeder Sekunde der Aufführung sicher sein, was als nächstes zu tun ist.

„Über den gesamten Zeitraum des Projekts ist eine Dokumentation entstanden, die von anderen Theatern und Schulen in Zukunft abgerufen werden kann“, erklärte Rüdiger Beermann, der im Festspielhaus für den Kinder- und Jugendbereich verantwortlich ist. „Das Festspielhaus ist in den vergangenen Jahren auch dank der felicitas und werner eglerland stiftung zu einem Bildungslabor geworden“, sagte Intendant Andreas Mölich-Zebhauser am Wochenende.

Bei diesem dritten Teil der musikalischen „Odyssee“ waren Grundschüler aus Baden-Baden Balg, von der Hans-Thoma-Schule in Gaggenau sowie von der Astrid-Lindgren-Schule für Sprachförderung in Iffezheim mit von der Partie. Für besondere Gänsehautmomente sorgten sie mit sicher beherrschten Liedern und Choreografien, sauber artikulierenden „Götter-Chören“ und kleinen Soloparts, die sie wie selbstverständlich neben dem erwachsenen Opern-Bariton Andrew Finden (Odysseus) übernahmen.

Das Publikum staunte über so viel Disziplin und Präzision, die nie gekünstelt oder dressiert wirkte. Dafür sorgten schon solch anarchische Momente wie der große „Überfall“ der tobenden Schüler quer durch den Zuschauerraum oder das vor purer Freude über das Erreichte gleich wiederholte große Finale „Wir waren hier“.

Musikalisch hatte das Karlsruher Musiker- und Komponistenpaar Sophie und Steven Ebel mit den Kindern eine abwechslungsreiche Partitur erarbeitet, in der lyrische Lieder neben einem „Battle-Rap“ standen. Die Kinder lauschten einer großen Arie des Odysseus und wurden von einem professionellen Streichquartett und einer Flötistin flexibel begleitet. Klangstark intonierten sie den „Friedens-Kanon“ der Ithaker, den sie natürlich ebenso selbst erfunden hatten wie den Song über Kuchen, Krümel und die Gastfreundschaft.

In den Medien wurde das Projekt mehrfach vorgestellt – zur Probenhalbzeit vor den Sommerferien hatten bereits die an der Oper beteiligten Lehrerinnen und Lehrer von den positiven Effekten für die Kinder und das eigene musikalische Handeln berichtet.

Bilder: Stephanie Schweigert

Badisches Tagblatt, Lokales, 25.9.2018

„Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten“
Badischen Neuesten Nachrichten, Lokales, Bericht: Krause-Dimrock, 26.9.2019

Seiten aus dem FSH Magazin, 2018

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